Unterwegs

Mallorca Inspirationen

16. November 2015

Warme Spätsommertage, kunterbunte Sonnenuntergänge, lange Spaziergänge, vierbeinige Freunde, vegane Locations und ein Rohkost-Workshop mit Mimi Kirk – das war unser Oktober. In diesem Jahr haben Em und ich einen rundherum schönen Mama-Tochter-Oktober auf Mallorca verbracht. 

Unser Zuhause war in dieser Zeit Marions Finca, ein kleines Paradies mit Aussicht auf die Berge, vielen Tieren und natürlich einer so netten Vermieterin wie Marion. Dieser Ort ist uns echt ans Herz gewachsen. Es war ein wenig anders als im August, wo wir als Familie unterwegs in Kroatien und Montenegro waren. Nicht nur, dass wir einfach Zeit hatten und kein Alltag uns im Nacken saß, das hatten wir im August ja auch. Aber unser kleiner Mädelshaushalt war schon etwas Besonderes. Und unsere Männer im Norden haben die Auszeit garantiert ebenfalls genossen. Da freut man sich hinterher umso mehr aufs Wiedersehen.

Aber zurück nach Mallorca. Ganz viel Zeit haben wir damit verbracht, einfach nur zu sein, statt zu tun. Ab und zu Tapas essen im Café Mara, Bummeln in Palma, mal zum Flohmarkt und mal zum Meer – für uns ist das genug Programm. Da wir ja vor den Herbstferien gereist sind, gab es in den ersten Tagen ein kleines Schulprogramm – hier und da ein paar Rechenaufgaben oder ein wenig Grammatik. Ansonsten schrieb Em mit Begeisterung an ihrer Detektivgeschichte und wir toppten das Ganze mit ein bisschen Englisch- und Spanischunterricht, den wir aber einfach in den Alltag integrierten. Und wie viel hat sie auch hier wieder über das Leben gelernt. Über die Hühner, Hochleistungs- und Wildhühner, die hier leben und ihre Küken aufziehen. Über den Alltag in unserer Nahrungsmittelproduktion und über die Alternativen dazu. Über Dinge, die im Leben wirklich zählen.

Auf Mallorca gibt es noch viele ursprünglich erzeugte Nahrungsmittel in guter Qualität. Aber die Insel ist auch eine mediterrane Oase im Hinblick auf vegane grüne Küche. So gibt es hier z. B. Europas erste Akademie für vegane Küche – die „Sabor Mallorca – Vegan Culinary Academy, an der sich Studenten aus der ganzen Welt zu  veganen Top-Köchen und -Köchinnen ausbilden lassen. Mitgründer der innovativen Schule ist  Manuel Lynch, auch Mitgründer des Insel-Guides Mallorca Vegan, der uns einen umfassenden Überblick über das bunte vegane Angebot der Baleareninsel verschafft. Zurzeit wird die Sabor Academy noch professionell von Jean-Christian Jury, dem französischen Gründer des La Mano Verde in Berlin, bereichert. Vorübergehend, denn Jean- Christian eröffnet jetzt sein La Mano Verde im sonnigen Vegan-Mekka Los Angeles. Im La Mano Verde in Berlin waren wir zu unserem 11. Hochzeitstag essen. Vielleicht wird es ja zu einem der nächsten etwas mit einem Tisch in L.A.? Man darf ja hoffen 🙂 

Die Vegan Culinary Academy organsierte auch den Rawfood-Workshop mit Mimi Kirk, der kalifornischen Ikone der roh-veganen-Küche in Palma- ein Highlight meines Mallorca-Oktobers. Das frühe Aufstehen an diesem Samstag hat sich wirklich gelohnt. Zum Kaffee gab es einen dieser magischen Sonnenaufgänge, mit denen uns die Natur wieder einmal daran erinnert, in was für einer Welt voller Wunder wir leben. Auf der anderen Seite der Finca lag der Morgennebel über den Feldern und die Sonne erhellte im Hintergrund das Tramuntana Gebirge.

Während Em sich noch mal umdrehte, nahm ich den Zug nach Palma um Mimi Kirk zu erleben. Mimi ist 77 Jahre alt und kein bisschen leise. Allein ihr tolles Aussehen und ihre ansteckende Lebensfreude machen Lust den Herd umgehend zum nächsten Recycling-Hof zu tragen. Mimi hat einen großartigen Humor und ist einfach durch und durch eine Inspiration. Sie vermittelt dieses unglaublich befreiende Gefühl, dass wir nie zu alt für irgendetwas sind und wir immer noch alles tun können, wozu wir Lust haben. Sie selbst hat mit 75 noch eine Ausbildung zur Rohkost-Köchin bei Matthew Kenney gemacht. Mimi war auch vorher schon ein Star der Rohkostszene, sie wollte diese professionelle Koch-Ausbildung einfach für sich selbst.

Das Publikum an diesem Tag war bunt gemischt was die Nationalitäten angeht, allerdings war es fast ausschließlich weiblich. Wie in meinen Kursen, dort lachen wir ja auch immer über den Quotenmann. Die Studenten von Sabor Mallorca hatten als „Welcome Snack“ verschiedene roh-vegane Brownies zubereitet und Mimi bereitete dann mit humorvoller Assistenz von Jean-Christian-Jury drei roh-vegane Gerichte zu: Lasagne, Caesar Salat und einen Avocado-Schokopudding. Gegessen wurde gemeinsam – sogar mit musikalischer Begleitung. Eine norwegische Rohkost-Familie, alles große Mimi-Fans, trug ein selbst verfasstes Lied für sie vor. Um 15.50 Uhr nahm ich den Zug von Palma zurück nach Sineu. Mein Fazit: Ein toller Tag mit vielen netten Menschen und köstlichem Essen. Und dem guten Gefühl im Herzen: Es ist nie zu spät für Alles. 😉 

Last, but not least möchten wir euch noch zwei tolle Adressen in Palma ans Herz legen. Den veganen Supermarkt Lo Vegano und die Rohkostbar Ziva to go – beide im bunten, entspannten Stadtteil Santa Catalina, der sich links der Kathedrale vom Hafen den Berg hinauf zieht. Das Ziva to go – Motto lautet „Healthy Food To Go“ und genau das wird dort serviert. Ein Stückchen Himmel für Leute wie mich. Pizza, Sandwich, Brownies und Trüffel, alles frisch, bunt und roh-vegan. Dazu selbst gemachte Mandelmilch, Mandelkäse, Grünkohlchips, frische Säfte und Smoothies. Außerdem gibt rohes Kokokswasser (zu erkennen an der pinken Färbung) und rohen Kombucha, beides ist bei uns ja leider nur pasteurisiert erhältlich. Komplett wird das Angebot durch warme Getränke. Diverse Tees und Mandelmilch-Cappuccino. Em und ich genießen Kombucha, Cappuccino, Maca-Bällchen und teilen uns einen Brownie. Zum Niederknien. Auch die Bedienung. Herzlich und hilfsbereit – da hat man Lust wiederzukommen.

Das Lo Vegano gehört Sarah und Patrick aus Deutschland. Die beiden leben seit vielen Jahren auf der Insel und haben sich aus ethischen Gründen für eine vegane Lebensweise entschieden. Da das vegane Angebot vor einigen Jahren noch sehr begrenzt war, haben sie selbst für Abhilfe gesorgt und „Lo Vegano“ gegründet. Hier findet sich alles, was das vegane Herz begehrt. Der schöne, helle Laden liegt zentral in Santa Catalina und ist ein Paradies für alle, die gesunde, vegane und grüne Küche lieben. Es gibt Tee, Tofu, Aufstriche, frisches Brot, auch glutenfrei….die Auswahl ist riesengroß. Für das Pflanzenmilch-Regal brauche ich zwei Fotos – auf einem lässt sich das Angebot, das neben den üblichen Sorten wie Mandel, Soja, Reis und Hafer auch Milch aus Hanf, Quinoa und Sesam enthält, nicht einfangen. Neben Lebensmitteln gibt es im „Lo Vegano“ Kochbücher, Kosmetik, Accesoires, Reinigungsmittel, Bekleidung und Tierfutter.

Wenn ihr das nächste Mal auf Mallorca seid – ein Besuch in trendy Santa Catalina lohnt sich auf jeden Fall. Neben den oben beschriebenen Angeboten gibt es eine Vielzahl von kleinen Cafés und Bars in denen frisch zubereitetes Essen wie Baba Ganoush oder Pasta serviert wird, bunte Fassaden und mittendrin die Markthalle „Mercat de Santa Catalina“, mit ihrem riesigen Angebot an lokalen Produkten. Santa Catalina liegt sehr zentral. Es gibt dort ein eigenes Parkhaus, ihr könnt aber auch von der Placa d`Espanya (Bahnhof) oder von der Kathedrale problemlos laufen – je nachdem wie zügig ihr geht, braucht ihr etwa 15 Minuten.

Ach ja, auch das vegane Restaurant Bon Lloc in Palmas Innenstadt haben wir ausprobiert. Dort gibt es ein festes Mittags-Menü bei dem man aus zwei Optionen wählen kann. Der Preis dafür liegt bei € 15,00, das Essen ist frisch und lecker, eine Karaffe mit Wasser gibt es gratis dazu. Ich hatte als Vorspeise einen Linsen-Salat mit Sprossen, Em eine Zwiebelcremesuppe. Den Hauptgang, Reis mit Gemüse, haben wir uns geteilt und das Dessert, einen Kokosflan ebenfalls. Dazu gab es frisch gepressten Melonensaft mit Minze – herrlich erfrischend. Wer zur Mittagszeit kommt, sollte entweder früh auftauchen oder reservieren, es ist immer sehr voll.

Auch ein echt mallorquinisches Rezept habe ich für euch. Nämlich eine Coca de Trampó. Die bekommt gleich einen eigenen Beitrag. Die Coca de Trampó ist ein Blechkuchen der mit dem Gemüse zubereitet wird, aus dem auch der mallorquinische „Trampó-Salat“ hergestellt ist, nämlich Tomaten, Zwiebeln und Paprika. Auf der Coca, die ich dieses Mal auf Mallorca bekommen habe, waren auch Auberginen. Ich selbst lege gern Zucchini mit rauf. Genau genommen, wäre es dann schon keine Coca de Tramó mehr, sondern eine Coca de verduras. Aber das nehmen wir jetzt mal nicht so genau. Natürlich steht und fällt der Geschmack bei einem so bodenständigen Gericht mit der Qualität der Zutaten. Am besten schmeckt die Coca im Sommer, wenn die Gemüse richtig sonnengereift sind. Und bio sollten sie sein – aber das versteht sich ja von selbst, oder? 😎 

 

 

 

 

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6 Kommentare

  • Reply Corinna 19. November 2015 at 20:43

    Was für ein schönes Fleckchen Erde…..der Bericht ist so schön geschrieben, man möchte gleich losfliegen…..

    • Reply Ulrike Bjerno 25. November 2015 at 9:36

      Ja, das ist es wirklich. Ein kleines Paradies.

  • Reply Britta 22. November 2015 at 16:37

    Mal wieder ein ganz ganz toller Bericht liebe Ulrike. Da bekommt man sofort Fernweh und möchte den Koffer packen. Mallorca steht in nächster Zeit leider nicht auf unserem Reiseplan, aber ich werde Dich mit Sicherheit um genaue Tipps bitten, wenn es uns wieder dorthin verschlägt. Besonders toll finde ich, dass ihr Euch diese Auszeit genommen habt. Danke, dass Du uns daran teilhaben lässt.

    • Reply Ulrike Bjerno 25. November 2015 at 9:31

      Danke, liebe Britta. Ja, der gute alte Tapetenwechsel. Die Welt ist so schön und woanders zu sein, auch mal über längere Zeit, rückt einiges gerade, lässt Ideen fließen und tut uns einfach gut. Und man zerrt so lange davon. Auch wenn ich vorher oft denke: „Ach, ist das wirklich nötig, hier ist es doch so schön und es gibt hier auch so viel zu tun…“ – am Ende war es immer gut.

      • Reply Britta 4. Januar 2016 at 9:18

        Hallo Ulrike,
        wir waren gerade eine Woche im Urlaub in Österreich in einem vegan-vegetarischen kleinen Familienhotel. Absolut empfehlenswert! Das Bödele legt wert auf vegan biologische Vollwertkost, soweit es eben geht. Die Lage direkt auf der Passhöhe ist absolut traumhaft. Falls ihr mal wieder auf einer Reise dort in der Gegend seid, solltet ihr Euch überlegen zu stoppen. Sei es für eine Übernachtung oder auch nur ein leckeres Mittagsgericht, um die fantastische Aussicht über die Berge zu geniessen. Es war zwar nur eine kleine Woche, die wir unsere Auszeit nehmen durften, aber auch dieser kleine Tapetenwechsel hat schon vieles wieder in die richtige Perspektive gerückt.
        LG

        • Reply Ulrike Bjerno 4. Januar 2016 at 16:13

          Das klingt ja toll. Auch eine Woche macht schon einen großen Unterschied, vor allem in einer so schönen Umgebung. Man nimmt doch immer etwas mit, oder? Neue Ideen, frische Ansätze (von außen sieht man einfach mehr…) und last but not least schöne Erinnerungen und Fotos. Ich werde mir das mal notieren, wir kommen in diesem Jahr bestimmt mal wieder durch Österreich. Danke für den Tipp 🙂

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