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Happy Halloween

31. Oktober 2015

An Halloween scheiden sich die Geister. Genau, die Geister 😈  Ich höre oft: „Halloween ist nicht unsere Tradition. Wir haben hier im Norden den Rummelpott.“ Stimmt, den haben wir. Wir mögen Halloween trotzdem. Uns gefällt die Tradition dahinter ebenso wie das „Gruselige“ zum Beginn der dunklen Jahreszeit. Und ich finde, dieser Tag ist es wert, ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen.

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Ich weiß, dass viele Halloween ganz und gar nichts abgewinnen können. Und das ist auch völlig in Ordnung. Wobei für mich Begründungen wie „ist nicht von hier“ nicht so wirklich Sinn machen. Das sich Dinge wie Sprache, Essen und Gedanken in der Welt verteilen und vermischen ist – vor allem in der heutigen Zeit – eine natürliche Sache. Diese Dinge sind nicht statisch, sie sind lebendig. Dieser Austausch bedeutet für uns ja oft auch einen Gewinn. Wer möchte schon auf Cappuccino, Pizza, Sushi und Croissants verzichten? Ich jedenfalls nicht 🙂 

Auch Bräuche verändern sich und haben oft ähnliche Wurzeln, wie wir selbst ja auch. Wer feiert heute nicht alles Weihnachten mit Weihnachtsmann und Baum? Sicher nicht nur die, die ihn erfunden haben. Ab und zu kommt eben mal etwas Neues durch die Tür und mischt die alten Bräuche auf. So wie Halloween. Ein Brauch, der durchaus eine nähere Betrachtung verdient. Deshalb möchte ich heute mal etwas Licht ins Dunkel bringen. Und eine Lanze für diesen zugereisten, gleichzeitig alten und neuen Brauch brechen.

Halloween – All Hallow`s Eve, also Allerheiligen, ist schon eine besondere Nacht. Und obwohl das Allerheiligenfest schon um 835 n. Chr. zum ersten Mal begangen wurde, ist die Tradition an diesem Tag den Toten zu Gedenken noch älter. Ursprünglich handelt es sich um einen keltischen Brauch, bzw. das keltisch-angelsächsische Fest „Samhain“. Es steht für den Umbruch – den Wechsel vom Sommer zum Winter, vom alten ins neue Jahr. Man glaubte, in dieser Nacht stünde die Tür zum Jenseits offen. Deshalb war es Brauch, an diesem Abend den Tisch für die Verstorbenen zu decken. Das Orakeln hatte in dieser Nacht Hochkonjunktur und es wurden Feuer angezündet. Auch Verkleidungen spielten offenbar eine Rolle, und sollten böse Geister abschrecken.

Der Brauch, Kürbisse zum Halloweenfest aufzustellen, stammt aus Irland. Obwohl der Kürbis da ursprünglich eine Rübe war. In den USA höhlten die irischen Einwanderer dann einen Kürbis aus – man nahm halt, was vorhanden war. Um die bösen Geister abzuwehren, schnitt man dem Kürbis ein Fratzen-Gesicht und ließ ihn vor dem Haus leuchten. 

Im weitesten Sinne hat Halloween also schon etwas mit unserem Rummelpottlaufen zu tun. Es gibt – oder gab – mal viele dieser Bräuche. Martinssingen, Rubebötz, Rauhnacht, Andreasnacht, Sunnerklauslaufen, generell das Laternelaufen – oder eben – an Silvester im Norden – der Rummelpott. Aus den alten heidnischen Festen machte die Kirche ein christliches und über die vielen Jahrhunderte geriet da so einiges durcheinander.

Ich mag den Gedanken an einen uralten Brauch, der diese Nacht als Tor zwischen Dies- und Jenseits sieht und mit Licht und gruseligen Verkleidungen die bösen Geister abwehren möchte um so sicher durch die dunkle Jahreszeit zu kommen. In Mexico z. B. gibt es dazu den dia de los muertos – den Tag der Toten, der auch in diese Zeit fällt und sehr bunt und kreativ gefeiert wird. Ich habe das schon dort erlebt, es ist echt sehenswert.

Den meisten Kindern dürfte das Verkleiden, Gruseln und Süßes einsammeln einfach Spaß machen und dabei herzlich egal sein, wo dieser Brauch herkommt. Und auch viele Große genießen das Gruseln und Verkleiden doch aus vollem Herzen. Wer am Halloween-Abend lieber die Klingel abstellt, soll das natürlich tun. In unserer ehemaligen Nachbarschaft gab es viele davon. Manche saßen den ganzen Abend im Dunkeln, um nicht aufmachen zu müssen. Mir kam das immer etwas verkrampft vor. Da ist es doch viel entspannter sich an den tollen Verkleidungen zu freuen. Ja, sicher, am Rummelpott kommen sie wieder. Vielleicht nicht ganz so toll verkleidet, aber dann singen sie dafür 🙂 . Die Kinder geben sich so viel Mühe, da mache ich gern zwei Mal im Jahr die Tür auf und rücke etwas Süßes heraus. Schön wäre es, wenn man sich, wie in den USA üblich, auf ein Zeichen einigen könnte, das signalisiert ob man dabei ist oder nicht. Eine Halloween-Deko oder den beleuchteten Kürbis eben. Damit die Kinder wissen, wo sie willkommen sind und niemanden stören, der nicht gestört werden möchte. Vielleicht wird sich das in Zukunft noch besser etablieren. 

In unserem Kalender hat sich Halloween über die Jahre jedenfalls einen festen Platz erobert. Wobei es bei uns eher ruhig zugeht. Der 31. Oktober ist für uns der Tag, an dem der Teil des Herbstes, der noch an den Spätsommer erinnert vorbei ist und der dunkle winterliche Teil beginnt. Wir höhlen einen Kürbis aus und stellen ihn beleuchtet draußen auf, wir backen Kürbisbrot und kochen eine Kürbissuppe. Abends gibt es ein Feuer im Feuerkorb und den ersten Punsch des Jahres. Und wir freuen uns über viele kleine (und manchmal auch große) Hexen, Skelette und Gespenster. Und ein bisschen Süßes gibt’s hier natürlich auch um die bösen Geister zu besänftigen – zum Glück sind sie bestechlich 😉 .

In diesem Sinne – Happy Halloween! Kommt gut und sicher durch die dunkle Jahreszeit.

Was wäre Halloween – überhaupt, was wäre der Herbst – ohne Kürbisrezepte. Deshalb folgen noch in dieser Woche die Rezepte für unser Lieblings-Kürbisbrot und lecker gefüllten Hokkaido aus dem Backofen. Macht es euch gemütlich! 🙂

 

 

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